Die Geschichte von Mallorca

Mallorcas Geschichte lässt sich anhand von einigen wenigen Überresten menschlicher Siedlungen bis in das 6. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen. Überliefert ist auch die rege Beteiligung der Mallorquiner an den Punischen Kriegen, bei denen sie sich als Steinschleuderer einen Namen machten; offenbar hatten sie es in dieser Disziplin zu einer wahren Meisterschaft gebracht.

Als Karthago im 2. Jahrhundert v. Chr. als Machtfaktor wegfällt, beginnen die Insulaner Schiffe zu überfallen, bis Rom die Balearen besetzt. Die nächsten 500 Jahre verbringt die Insel zwar unter römischer Verwaltung, dafür aber in einem andauernden Frieden. Die Vandalen beenden dieses Idyll 430; die verschiedenen Kriege zwischen den Anrainerstaaten des Mittelmeeres treffen auch immer wieder die strategisch günstig gelegenen Balearen, die sich deshalb oft mit maurischen Eroberern konfrontiert sehen.

Erst im 13. Jahrhundert kann Mallorca im Rahmen der spanischen Reconquista durch ein christliches Heer zurückerobert werden. Die Insel erholt sich langsam von den Besatzern und baut ihre Kirchen auf den Fundamenten der zerstörten Moscheen.

Im 14.Jahrhundert entwickelt sich Mallorca unter Jaume III. zu einem blühenden Handels- und Seefahrerreich, bis der König 1349 auf dem Schlachtfeld stirbt. Für Mallorca beginnt nun die lange Zeit der Verwaltung durch die spanische Krone des Festlandes. Dennoch schafft es Mallorca, sich zu einem der wichtigsten Handelsplätze des Mittelmeeres zu entwickeln. Der Insel entstammen nicht nur weltberühmte Seefahrer, auch die besten Kartographen sind hier zu Hause und zeichnen die genauesten Seekarten ihrer Zeit.

Gegen Ende des 15.Jahrhunderts erlebt Mallorca mit seinen Nachbarinseln die wiederholten Überfälle türkischer Piraten, die sich inzwischen zur Seemacht emporgeschwungen hatten. Aus dieser Zeit stammen die meisten der heute noch existierenden Wach- und Verteidigungstürme, die so genannten Talaias, die über die gesamte Insel verteilt sind. Während sich Spanien seit der Entdeckung Amerikas (1492) zu einer der bedeutendsten Kolonialmächte der Welt entwickelt, verlieren die Balearen ihre Bedeutung als strategisch wichtige Häfen, da der internationale Handel nun vor allem zwischen Europa und der Neuen Welt stattfindet.

Zwar können sich die mallorquinischen Schiffe noch bis ins 19. Jahrhundert hinein als Transport- und Reisemittel behaupten, doch mit der Entwicklung der Dampfschifffahrt geht auch diese Tradition langsam aber sicher verloren. Mallorca entwickelt sich deshalb nach und nach zu einer Agrarregion, bis die Europäer die Balearen, vor allem Mallorca, im 20. Jahrhundert als beliebtes Urlaubsziel entdecken.

Mit der Demokratisierung Spaniens (1975) erlangen auch die Balearen ihre Autonomie zurück; ihrer Beliebtheit als nahe gelegenes Ferienparadies tut das allerdings keinen Abbruch.